Sharn

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Sharn (Metropole, 200000 Einwohner)

Die Stelle, wo der Dolchfluss ins Meer strömt, heißt das Heft. Hier lagen schon in Zeiten, die längst in den Nebeln der Geschichtsschreibung verlorengegangen sind, große Ansiedlungen. Momentan steht hier die Metropole Sharn, die etwa zeitgleich mit den ursprünglichen Fünf Nationen begründet wurde. Das war ungefähr siebenhundert Jahre, nachdem die menschlichen Siedler auf dem Kontinent angekommen waren. Seit nunmehr zwei Jahrtausenden wachsen die Türme von Sharn in den Himmel und haben eine Höhe von über tausend Metern erreicht. Dadurch hat die Metropole auch die Bezeichnung „Stadt der Türme“ erlangt.
Die Stadt ist ein wahrlich beeindruckender Anblick, ein wildes Gemisch aus unterschiedlichen Baustilen und der Architektur verschiedener Zeitalter. Wenn man vom tiefen Fundament hinauf zu den höchsten Spitzen blickt, hat man die Geschichte des Kontinents vor sich. Schwere, bedrückend wirkende goblinoide Bauten bilden das Fundament für einen Großteil der Stadt. Diese uralten Steinbauten wurden errichtet, als die Menschen noch nicht einmal einen Fuß auf den Kontinent gesetzt hatten. Darüber stapelt sich bis in die Wolken hinauf eine architektonische Periode der menschlichen Zivilisationen nach der anderen.
Die Stadt der Türme kann nicht nur sehr beeindruckend, sondern auch sehr bedrückend sein. Die gleichen Wolkenkratzer lassen dank ihrer schieren Höhe den einen Menschen in Euphorie und Begeisterungsstürme ausbrechen und wirken auf einen anderen dank ihrer unglaublichen Größe und ihres titanischen Gewichts niederdrückend und deprimierend. Welche Gefühle auch immer die Stadt hervorruft, sie bleibt zu allen Tag- und Nachtstunden ein Ameisenhaufen voller Aktivität. Mit ihrem gewaltigen Angebot an kulturellen, kulinarischen und kommerziellen Freuden und ihrer Stellung als Zugang nach Xen`drik lockt die Stadt Besucher und Abenteurer aus der ganzen Welt an. Die Stadt brodelt förmlich vor Energie und Leben und ist ebenso berühmt für ihre zahllosen Wunder wie auch für ihre enorme Verbrechensrate, die ausufernde Korruption und die einzigartige und aufregende Atmosphäre.
Sharn erhebt sich von den Klippen, die über das Heft hinausragen. Dabei handelt es sich um eine weite Bucht an der Mündung des Dolchflusses. Dadurch, dass die Stadt auf einer unwirtlichen, von der der Fläche eng begrenzten Felsnadel erbaut wurde, gab es nur eine Möglichkeit für weiteres Wachstum – nach oben! Die Häfen liegen am Fluss der Klippen. Hier gehen Passagiere von zahlreichen Schiffen an Land, und große Mengen Fracht werden täglich gelöscht und verladen. Riesige Aufzüge, die an starken Seilen und Flaschenzügen hängen, transportieren Passagiere und Güter die Klippen empor in die Stadt und von der Stadt hinab in die Häfen. Häuser für die Hafenarbeiter sind in die Klippen und an ihnen gebaut und bieten teils einen atemberaubenden Ausblick über den Fluss und die Bucht. An der Oberkante gehen die Klippen nahtlos in die Felsblöcke der uralten goblinoiden Fundamente über. Hier beginnt die eigentliche Stadt mir ihren titanischen Türmen.
Man sagt, tief unter der Stadt der Türme läge ein riesiger Lavasee. Die, die in den Tiefen der Stadt arbeiten, einem unterirdischen Bereich, der als die Maschinerie bezeichnet wird, behaupten, sie könnten die Hitze spüren, die von den unterirdischen Lavaströmen aufsteigt. Aber nur wenige Leute wagen sich in die Tiefen unter den riesigen Schmelz- und Schmiedeöfen vor, die im Herzen der Maschinerie liegen, um dort nach dem legendären See zu suchen. In der Maschinerie arbeiten Hitze und Magie Seite an Seite daran, Erze und andere Rohmaterialien zu raffinieren und verarbeiten. Diese werden gebraucht, um die zahlreichen Industriebetriebe Sharns am Laufen zu halten.
In den Tiefen Sharns finden sich auch uralte Ruinen, labyrinthartige Abwasserkanäle, senkrechte Schächte und vergessene Kammern und Räume, die sich Stockwerk um Stockwerk nach oben erstrecken, bis sie schliesslich in die bewohnten Bereiche der Stadt übergehen. Die oberen Etagen erinnern an Türme, die wie Bäume aus einem Wald aus Stein und Ziegeln emporwachsen. Hier lebt der Großteil der Bewohner und Gäste der Stadt. Die ärmeren Bevölkerungsschichten leben weiter unten in den Türmen, die Reichen und Wohlhabenden weiter oben. Je höher man lebt, desto reicher und einflussreicher ist man. In den obersten Etagen finden sich Türme mit offenen Torbögen, Balkone, Brücken und Plattformen, die ein seltsames Netzwerk hoch oben in der Luft bilden. Diese zahlreichen Verbindungen könnte man fast als zweiten festen Boden in schwindelnder Höhe bezeichnen. Noch darüber schwebt Himmelstor, wo die reichsten Bürger leben und es sich gut gehen lassen.
Sharn befindet sich inmitten einer Manifestationszone der Ebene Syrania, der Domäne des Azurnen Himmels. Die hauptsächlichen Auswirkungen der Manifestationszone bestehen darin, Zauber und Magie zu verstärken, die das Schweben und Fliegen ermöglichen. Außerhalb der Manifestationszone werden die meisten derartigen magischen Gegenstände aus Sharn schwächer oder funktionieren gar nicht mehr. Ohne die Zone brächen die großen Türme und Spitzen der Stadt zusammen, ihr Transportsystem würde kollabieren und Himmelstor abstürzen und am Boden zerschellen.
Himmelskutschen schweben langsam mit ihren Passagieren von Turm zu Turm. Es gibt aber noch zahlreiche andere Möglichkeiten, in Sharn von einem Turm zum anderen zu gelangen. Die meisten Türme sind auf verschiedenen Höhen durch Brücken verbunden, die man bequem zu Fuß überqueren kann. Entlang der Türme fahren Aufzüge in magischen Lichtströmungen auf und ab und es stehen zahlreiche magiegeschaffene Tiere zur Verfügung, die Passagiere innerhalb der Stadt zu befördern.
In den Straßen gibt es ein beliebtes Sprichwort: „Wenn man etwas auf dieser Welt kaufen kann, dann hier!“ Es gibt zahllose Geschäfte und Verkaufsstände, wobei die meisten in den Handelsvierteln, den Freiluftmärkten oder den Markthallen liegen. Die Markthallen werden oft auch als Turmmärkte bezeichnet und ziehen sich meist über mehrere Etagen. Solche Markthallen befinden sich in vielen Türmen und Gebäudegruppen. Manche Geschäfte entstehen einfach auf einer Brücke oder werden an die Seite einer Mauer genagelt. Diese gefährlichen aussehenden Holzkonstruktionen werden meist hastig zusammengezimmert, wenn irgendwo ein Sprung im Felsen entsteht, in dem man sie verankern kann. Andere Geschäfte befinden sich in den besten Etagen der Türme. Diese Ladenflächen werden vom jeweiligen Turmbesitzer gemietet. Die Turmmärkte sind natürlich die grössten und besonders beeindruckenden Märkte. Hier findet man die unterschiedlichsten Geschäfte neben- und übereinander. Sie füllen den Großteil eines Turm oder eines mehrstöckigen Blockbaus aus. Abgesehen von all den mehr oder weniger legitimen Geschäften findet man in Sharn natürlich auch einen florierenden Schwarzmarkt, auf dem von exotischen Früchten und Tieren bis hin zu illegalen Zauberkomponenten und gestohlenen Waren alles gekauft und verkauft werden kann. Die Autoritäten geben sich redlich Mühe, um diese Aktivitäten zu unterbinden, wenn es ihnen dabei auch nur hauptsächlich darum geht, dass der Stadt für auf dem Schwarzmarkt verkaufte Waren Steuergelder entgehen. Doch die große Nachfrage, die für ein entsprechend grosses Angebot sorgt, macht dieses Unterfangen ziemlich hoffnungslos. Dies hat zur Entstehung eines weiteren beliebten Sprichworts geführt: „Wenn jemand etwas benötigt, wird sich in Sharn jemand finden, der bereit ist, es zu verkaufen!“
Die Morgrave-Universität mit ihren gläsernen Mauern wurde in Sharn begründet und hat bis zum heutigen Tag hier ihren Hauptsitz. In der Morgrave-Universität hat man eine ziemlich hemdsärmlige Vorgangsweise bei der Sammlung und Mehrung von Wissen. Die Verwalter der wesentlich elitären Wynarn-Universität bezeichnen sie spöttisch als „Institut für Lehre, Artefaktsuche und Grabschändung“. Die Morgrave-Universität bietet auch unerfahrenen Abenteurern gerne eine Gelegenheit, für sie auf Reliquien- oder Artefaktsuche zu gehen, und es ist für die Universität kein Problem, den Abenteurern einen Freibrief zu besorgen, so dass sie die uralten Ruinen ohne staatliche Einmischung durchsuchen können. Eine außergewöhnliche fähige Gruppe wird eventuell von der Universität gesponsert und betreut.
Die Stadtwache sorgt dafür, dass der Galifar-Kodex in ganz Sharn eingehalten wird. Natürlich gilt, dass man die Stadtwache eher in den oberen Stockwerken als in den Tiefen der Stadt antrifft. Stadtwächter gehen regelmässig auf den hochgelegenen Brücken, Balkonen, Plattformen und Wegen Streife, doch sie wagen sich nur in die tiefer gelegenen Viertel, wenn es notwendig oder vorteilhaft erscheint. In jedem Stadtviertel gibt es Wachtürme, doch alles in allem ist die Mannstärke der Stadtwache viel zu gering, um die ganze Bevölkerung Sharns angemessen zu beschützen. Wenn es zu einem Zwischenfall kommt, der der Wache über den Kopf zu wachsen droht, ruft man meist widerstrebend die Agenten der Königszitadelle zu Hilfe. Die Königszitadelle hat eine ständige Präsenz in der Stadt. Wenn die Stadtwache jedoch für eine kurze Zeitspanne Hilfe benötigt und es sich vermeiden lässt, die Königszitadelle zu involvieren, wendet man sich lieber an eine Abenteurergruppe.
Viele Händler und Seeleute, die in Sharn leben und arbeiten, erlernen ein paar Brocken der Sprache der Sahuagin, da die Sahuagin in den Meerestiefen nahe der Shargonschnellen in großer Zahl anzutreffen sind. Ein Großteil der Sahuaginstämme ist den Landbewohnern gegenüber bis zum heutigen Tag feindselig eingestellt. Einige Sahuaginstämme treiben jedoch Handel mit den Bewohnern von Sharn und verkaufen Geleitdienste an jene, die sicher durch die Shargonzähne nach Xen`drik kommen wollen. Viele dieser Sahuagin können zwar die Handelssprache, doch wenn man ihre Sprache spricht, kann man wesentlich besser mit ihnen Geschäfte machen.
In Sharn wimmelt es von kriminellen Aktivitäten. Wie sagt man so schön – wenn man Geschäfte machen will, kommt es auf drei Dinge an: auf die Wahl des richtigen Standorts, darauf, dass man den Standort richtig auswählt und auf die richtige Standortwahl. In Sharn treffen sich praktisch alle Handelsrouten der Welt. Hier blühen der legale und der illegale Handel. Manche Unterweltbosse besitzen in der Tat große, ganz legale Handelshäuser, die ein hervorragendes Ansehen genießen, um eine Tarnung für ihre illegalen Aktivitäten zu haben. Einige dieser Unterweltbosse genießen große gesellschaftliche Anerkennung und spenden einen Teil ihres Einkommens für wohltätige Zwecke und Hilfsorganisationen. Falls die Stadtwache über ihr Doppelleben Bescheid weiß (und viele Leute sind der Ansicht, es könne eigentlich gar nicht anders sein), so drückt sie beide Augen zu, weil man der Ansicht ist, dass diese Leute der Stadt mehr bringen, als sie ihr Schaden zufügen.
Abgesehen von einem ziemlich tölpelhaften Angriff von der Meeresbucht aus, bei dem es nicht einmal richtig gelang, ein paar Kratzer in die Klippe zu machen, ging der Letzte Krieg an Sharn ziemlich spurlos vorüber. Damit ist natürlich nur gemeint, dass man von Sharn aus nie eine marschierende Armee gesehen hat und die Stadt nie belagert oder gar erobert wurde. Die Stadt der Türme musste sich allerdings mit Spionen, Saboteuren, Terroranschlägen und einer immer stärker anschwellenden Flutwelle von Flüchtlingen auseinandersetzen, während der blutige Konflikt sich Jahr um Jahr in die Länge zog. Das vermutlich schrecklichste Ereignis des Krieges geschah 918 NBK. Unbekannte Saboteure sorgten dafür, dass der Glasturm vom Himmel fiel. Es gab Tausende Tote, und bis zum heutigen Tag hat keiner Verantwortung für die Tat übernommen.

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